Tourismus und Menschenrechte: Reiseunternehmen, Verbände und gemeinnützige Organisationen entwickeln Online-Schulungen für die Branche

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Die Tourismusbranche berührt viele Aspekte der Menschenrechte, wie Gleichberechtigung, faire Löhne oder Diskriminierung, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zehn Unternehmen der Reisebranche sowie fünf Verbände und gemeinnützige Organisationen haben sich nun zusammengeschlossen, um menschenrechtliche Sorgfalt in der touristischen Wertschöpfungskette durch Online-Trainings im Selbststudium zu fördern. Das Projekt wird von der Nachhaltigkeitsinitiative Futouris e.V. und dem Roundtable Human Rights in Tourism koordiniert.

Hamburg, 05. Dezember 2023. Insgesamt fünfzehn große, mittlere und kleine Tourismusunternehmen, Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen haben begonnen, gemeinsam Online-Trainings zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht in der touristischen Wertschöpfungskette zu entwickeln. Die Trainings werden Zuliefernden sowie Partnerinnen und Partnern in den Zielländern kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie ermöglichen Beherbergungsbetrieben und Destinationsmanagement-organisationen (DMOs) von Reiseveranstaltern, sich in das Thema menschenrechtliche Sorgfaltspflichten einzuarbeiten und einen ersten Überblick über mögliche Maßnahmen zu erhalten.

Tourismusunternehmen benötigen individuelle Sorgfaltsstrategien, um Menschenrechte zu fördern

Der Tourismus ist ein wichtiger Faktor in Entwicklungs- und Schwellenländern und kann Arbeitsplätze schaffen, lokale Wirt-schaftskreisläufe stärken und Ungleichheiten reduzieren. Gleichzeitig berührt der Tourismus viele Aspekte der Menschenrechte, z.B. Gleichberechtigung, faire Löhne oder den Schutz vor Diskriminierung. Aus diesem Grund brauchen Tourismusunternehmen Sorgfaltsstrategien, um durch ihr wirtschaftliches Handeln Menschenrechte zu fördern und Menschenrechtsverletzungen zu vermeiden.

Das im Januar 2023 von der Bundesregierung verabschiedete Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) sowie die geplante Europäische Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) verpflichten zunächst die großen Unternehmen. Die Reisebranche besteht weit überwiegend aus kleinen und mittelständischen Unternehmen. Auch diese werden im Rahmen des Projektes darin bestärkt, Verantwortung zu übernehmen und konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Gemeinsam stark: Reisebranche und gemeinnützige Organisationen bündeln ihre Kräfte

Ziel der am Projekt beteiligten Tourismusunternehmen DER Touristik, FTI Group, TUI Group, TUI Cruises, Booking.com, Gebeco, Chamäleon, Studiosus Reisen, Hauser Exkursionen und FairAway Travel, ist es, eine breite Akzeptanz und Nutzung dieser Trainings zu gewährleisten. Aus diesem Grund sollen die entwickelten Trainings gemeinsam mit den Partnerinnen und
Partnern in den Destinationen vorab auf praktische Anwendbarkeit getestet und weiterentwickelt werden. Unterstützt werden sie dabei vom Verband für nachhaltigen Tourismus forum anders reisen, dem Deutschen Reiseverband (DRV) und ECPAT Deutschland, der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung.

Die Trainings werden der Branche kostenlos auf atingi.org, der digitalen Lernplattform des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), zur Verfügung stehen und ermöglichen so den lokalen Partnerinnen und Partner der Reiseunternehmen einen Einstieg in die Thematik der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht.

Online-Training zu Aspekten der Menschenrechte im Tourismus

Im Rahmen eines Kick-off Workshops im Herbst legten die Projektteilnehmerinnen und Projektteilnehmer die Struktur sowie das Konzept der Trainings auf Basis der Ergebnisse einer vorab durchgeführten Stakeholder-Befragung fest. Ein Basistraining soll den Teilnehmenden einen umfassenden Einblick in die verschiedenen menschenrechtlichen Risiken im Tourismus, relevante Schritte sowie einen Überblick geben, wo weitere Informationen zu den Risiken zu finden sind. Zusätzlich soll das Training über die rechtlichen Anforderungen des LkSG sowie der geplanten EU-Richtlinie informieren und durch weitere, tiefergehende Module ergänzt werden.

Das Vorhaben wird unter dem Dach des Branchendialogs Tourismus für nachhaltige Entwicklung umgesetzt. Das Projekt wird jeweils zur Hälfte aus Eigenmitteln der Tourismusunternehmen sowie durch das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Unternehmen, die Interesse an einer aktiven Mitarbeit haben, sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. Für weitere Info steht Futouris zur Verfügung.

Hintergrund:

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Futouris e.V.
Seit mehr als 10 Jahren steht die 2009 gegründete Nachhaltigkeitsinitiative Futouris e.V. für die Bewahrung des natürlichen und kulturellen Erbes unserer Welt und eine nachhaltige Gestaltung des Tourismus. Gemeinsam entwickeln die bei Futouris engagierten Unternehmen Modellprojekte und Innovationen, die für mehr Verantwortung und Nachhaltigkeit im Tourismus stehen. Mitglieder des gemeinnützigen Vereins sind sowohl Mittelständler als auch Marktführer, nationale und internationale Unternehmen. Was sie vereint, ist der gemeinsame Spirit. Mitglieder und ihre Projekte wirken nicht nur in den Destinationen – Ergebnisse werden auch im eigenen Unternehmen in die Praxis umgesetzt. Um die höchsten Standards bei der Qualifizierung der weltweit aufgestellten Projekte zu gewährleisten, wird Futouris von einem international besetzten Wissenschaftsbeirat unterstützt, der beratend bei der Projektentwicklung mitwirkt und die Projekte akkreditiert. Der Deutsche Reiseverband (DRV) sowie der Österreichische Reiseverband (ÖRV) unterstützen die Ziele von Futouris und engagieren sich aktiv im Rahmen einer Schirmherrschaft. Weitere Informationen unter www.futouris.org.


Kontakt
Tatjana Peters
Projektmanagerin Futouris e.V.
Heidenkampsweg 58
20097 Hamburg
Tatjana.peters@futouris.org

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Roundtable Human Rights in Tourism
Der Roundtable Human Rights in Tourism ist eine Multi-Stakeholder Initiative, die sich für die Umsetzung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht von Tourismusunternehmen einsetzt. Der Roundtable hat derzeit 39 Mitglieder aus sechs Ländern, darunter Reiseveranstalter, Reiseverbände, Zertifizierungsinstitutionen sowie branchenbezogene
Multiplikatoren und Nichtregierungsorganisationen. Er ist eine offene Dialogplattform für den brancheninternen Austausch und Know-how-Transfer und stellt Informationen, Materialien und Good-Practise-Beispiele zur Achtung der Menschenrechte im Tourismus gemäß den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte zur Verfügung. Weitere Informationen unter www.humanrights-in-tourism.net.

Branchendialog Tourismus für nachhaltige Entwicklung

Der Branchendialog Tourismus ist eine Multi-Akteurs-Partnerschaft aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft mit dem Ziel, durch Tourismus einen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen und dem Pariser Klimaschutzabkommen zu leisten. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH koordiniert als Sekretariat die Zusammenarbeit des Branchendialog Tourismus für nachhaltige Entwicklung und begleitet die Brancheninitiative in der Projektumsetzung.